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Erdpuls Moderations-Implementierungshandbuch

Ein Praxisleitfaden zur Durchführung des vollständigen Workshop-Programms

Erdpuls Müllrose — Lebendes Labor & Makerspace-Garten

Version: 1.2
Datum: Februar 2026


Änderungsprotokoll

Version Datum Änderungen
1.2 Februar 2026 BNE-Konformitätsüberarbeitung: BNE-Kriterienübersichtstabelle ergänzt; Abschnitt Qualifikationsprofil der Durchführenden hinzugefügt (Bereiche 6.1.1/6.1.2); Abschnitt Fort-/Weiterbildungsanforderungen hinzugefügt (Bereiche 6.2.1/6.2.2 — Mindestanforderungen); Universal-Checkliste um Teilnehmer-Vorinformation (3.3.1) und Nachbereitungsressourcen (3.3.3) erweitert; Abschnitt Partnernetzwerk und BNE-Kooperation hinzugefügt (Bereich 5.3.1 — Mindestanforderung); Mindestinhaltsstandards für den Qualitätsbericht ergänzt (Bereiche 5.2.1/5.2.2)
1.1 Februar 2026 Name der Einrichtung aktualisiert; Lizenzfußzeile ergänzt; Version für OER-Veröffentlichung aktualisiert
1.0 Oktober 2025 Erstveröffentlichung

BNE-Kriterienübersicht

Dieses Handbuch ist ein operationales und organisatorisches Dokument. Es adressiert vorwiegend die Organisationsqualität-Bereiche des Brandenburger BNE-Qualitätskatalogs (Qualitätskatalog für BNE außerschulischer Anbieterinnen und Anbieter, MLUK Brandenburg, April 2023). Die nachfolgende Tabelle ordnet die Katalogkriterien den jeweiligen Abschnitten dieses Handbuchs zu, in denen sie behandelt werden. Die vollständige kriterienweise Bewertung mit Nachweisaussagen enthält die BNE-Bewertung und Leitbild.

BNE-Bereich Kriterien Adressiert in diesem Handbuch
3.3 — Methoden: Unterstützend 3.3.1 Teilnehmer-Vorinformation vor dem Workshop; 3.3.3 Nachbereitungsressourcen nach dem Workshop Universal-Checkliste (2 Wochen vorher — Teilnehmer-Punkte; Nach dem Workshop — Nachbereitungspunkte)
5.2 — Qualitätsentwicklung: Evaluation 5.2.1 kontinuierliche Praxisreflexion; 5.2.2 systematische Selbstevaluation Universal-Checkliste (Nach dem Workshop); Mindestinhaltsstandards für den Qualitätsbericht
5.3 — Qualitätsentwicklung: Kooperation 5.3.1 aktive BNE-Vernetzung (Mindestanforderung) Partnernetzwerk und BNE-Kooperation
6.1 — Qualifikation der Durchführenden 6.1.1 formale Qualifikation / 6.1.2 persönliche Qualifikation (Minimum: eine davon) Qualifikationsprofil der Durchführenden
6.2 — Fort-/Weiterbildung 6.2.1 vorbereitende Fort-/Weiterbildung (Mindestanforderung); 6.2.2 kontinuierliche min. 24 Std./Jahr (Mindestanforderung) Fort-/Weiterbildungsanforderungen

Mindestanforderungen erfüllt: Alle Mindestanforderungen in den Bereichen 3, 5, 6 und 7, soweit sie dieses operative Dokument betreffen.


Wie dieses Handbuch zu nutzen ist

Dieses Handbuch richtet sich an die Person, die die Workshops tatsächlich durchführt. Sie haben das Pattern Discovery Toolkit, die vier Anhänge, die zwanzig erfahrungsorientierten Leitfäden und das Proxemische Integrationsergänzungsdokument gelesen (oder haben Zugang dazu). Diese Dokumente beschreiben was zu tun ist und warum. Dieses Handbuch erklärt wie, wann, wo und in welcher Reihenfolge.

Es ist als ein Jahr strukturiert — Ihr erstes Jahr mit dem vollständigen Programm. Bis zum Ende dieses Jahres werden alle Zielgruppen bedient worden sein, alle vier Anhänge werden aktiviert worden sein, die Mustersprache wird ihre ersten Einträge haben, und der Qualitätsrahmen wird seine ersten Evaluationsdaten aufweisen.


TEIL EINS: Der Jahres-Programmierungskalender

Der Erdpuls-Jahresrhythmus

Der Campus folgt einem Vier-Jahreszeiten-Zyklus, der bestimmt, welche Workshops möglich, welche optimal und welche anpassungsbedürftig sind:

Jahreszeit Campus-Rhythmus Dominantes Thema
Frühling (März–Mai) Pflanzen und Planen Neues Wachstum, erste Beobachtungen, Außenarbeiten beginnen
Sommer (Juni–August) Wachsen und Sammeln Volle Biodiversität, Residenzperiode, Outdoor-Workshops auf dem Höhepunkt
Herbst (September–November) Verarbeiten und Bewahren Ernte, Verarbeitung, grenzüberschreitender Austausch, Ältestenwissen
Winter (Dezember–Februar) Reparieren und Reflektieren Innenfokus, Reparatur, Reflexion, Datensynthese, Planung

Das Jahr auf einen Blick

Der nachfolgende Kalender verteilt alle 20 Workshop-Leitfäden über das Jahr, je eine Durchführung pro Leitfaden. In den Folgejahren wiederholen sich die Workshops mit neuen Teilnehmendenkohorten — was die longitudinale Datenansammlung erzeugt, auf die das Toolkit angewiesen ist.

FRÜHLING (März–Mai)

Woche Workshop Zielgruppe Anhang Dauer Schlüsselmaterialien
Mär W2 Vorbereitung Durchführende: Leitfäden lesen, Transektrouten erkunden, GIS-Projekt vorbereiten, Boden-Koffer bestücken 5 Tage Alle Dokumente
Mär W3 Boden-Begegnung Erwachsene/Familien A.2 Halbtag Boden-Koffer, Feldbögen
Apr W1 Erdreich-Entdecker Kinder/Jugendliche A.1 3–4 Std. Boden-Koffer, Feldbogen-Bögen, Lupen
Apr W3 Sehen, was wir schon tauschen Erwachsene/Familien B.2 2,5–3 Std. A3-Arbeitsblätter, farbige Stifte, Reparaturwerkzeug
Mai W1 Das Garten-Wirtschaftsspiel Kinder/Jugendliche B.1 3–3,5 Std. Token-Karten (4 Farben), Spielmaterialien
Mai W3 Die Karte unter der Karte Erwachsene/Familien C.2 Ganztag Gedruckte Karten (A1), GIS-Laptop, Transektausrüstung

SOMMER (Juni–August)

Woche Workshop Zielgruppe Anhang Dauer Schlüsselmaterialien
Jun W1 Künstler*in/Forschende Residenz beginnt Künstler*innen/Forschende 2–4 Wochen Wohnung, Atelier, Gerätezugang
Jun W1 Boden-Tiefe — Erstsitzung Künstler*innen/Forschende A.4 2–3 Std. Feldnotizbuch, persönliche Werkzeuge
Jun W2 Wert jenseits des Preises Künstler*innen/Forschende B.4 2,5–3 Std. Lektürematerialien, Schreibbedarf
Jun W3 Kartografien der Zugehörigkeit — erster Transekt Künstler*innen/Forschende C.4 Ganztag GPS, Feldnotizbuch, Kamera, GIS-Station
Jul W1 Messen, was zählt Künstler*innen/Forschende D.4 2,5–3 Std. BNE-Rahmen-Ausdrucke, Evaluationsdesign-Materialien
Jul W2 Wo hört unser Ort auf? Kinder/Jugendliche C.1 Ganztag Luftfotos (A3), Kompasse, Expeditions-Protokollbögen
Aug W1 Habe ich etwas Echtes gelernt? (Qualitätsreflexion) Kinder/Jugendliche D.1 1,5–2 Std. Qualitätsstern-Poster, Kompetenzentdeckungskarten, Portfolio-Bögen
Aug W2 Residenz-Zwischenreview \& Abschlusssynthese Künstler*innen/Forschende C.4 + D.4 2 + 2 Std. Alle Residenzdaten, GIS-Projekt

HERBST (September–November)

Woche Workshop Zielgruppe Anhang Dauer Schlüsselmaterialien
Sep W2 Boden-Brücke Grenzüberschreitend DE/PL A.5 Ganztag Zweisprachige Feldbögen, Transport, polnische Partnerkoordination
Sep W4 Eine Wirtschaft, Zwei Sprachen Grenzüberschreitend DE/PL B.5 Ganztag Zweisprachige Materialien, gemeinsames Essen
Okt W2 Eine Landschaft, Zwei Länder Grenzüberschreitend DE/PL C.5 2 Tage Grenzüberschreitende Karten (A0), GIS-Daten beider Länder, Transport
Okt W4 Qualität ohne Grenzen Grenzüberschreitend DE/PL D.5 Halbtag Rahmen-Ausdrucke (DE/PL/EU/UNESCO), Vergleichsmatrix-Poster
Nov W1 Boden-Gedächtnis Ältere/Intergenerationale A.3 2,5–3 Std. Breite Schüsseln, Lupen, Audiorekorder, Kuchen
Nov W3 Der Erinnerungsmarkt Ältere/Intergenerationale B.3 2–2,5 Std. Angebots-/Suchkarten, Erinnerungsmarkt-Ledger

WINTER (Dezember–Februar)

Woche Workshop Zielgruppe Anhang Dauer Schlüsselmaterialien
Dez W1 Die Landschaft erinnert sich Ältere/Intergenerationale C.3 3–3,5 Std. Historische Karten, Erinnerungskarten-Papier (A1), Audiorekorder
Dez W3 Was ist es wert, weitergegeben zu werden? (Weisheitskreis) Ältere/Intergenerationale D.3 2–2,5 Std. Lern-Lebenszeit-Arbeitsblätter, Gestaltungskompetenz-Karten
Jan W2 Was macht es wert, wiederzukommen? (Qualitäts-Co-Design) Erwachsene/Familien D.2 2–2,5 Std. Qualitätskompass-Arbeitsblätter, Flipcharts, Beweisgegenstände
Jan W4 Jahres-Datensynthese Durchführende + Ehrenamtliche 2–3 Tage Alle Musterkarten, Karten, Token-Aufzeichnungen, Portfolios, GIS-Daten
Feb W2 Erstellung Jahres-Qualitätsbericht Durchführende + Qualitätsbotschafter*innen 2 Tage Alle Evaluationsdaten aus D.1–D.5
Feb W4 Planung Jahr 2 Durchführende + Kernteam 1 Tag Kalender-Vorlage, Budgetüberprüfung

Sequenzierungslogik

Der Kalender folgt diesen Prinzipien:

1. Erwachsene zuerst, dann Kinder. Die Frühlings-Workshops für Erwachsene/Familien (A.2, B.2) schaffen eine gemeinschaftliche Vertrautheit mit dem Erdpuls-Ansatz, bevor Schulgruppen ankommen. Eltern, die selbst teilgenommen haben, können dann Kinder mit Vorwissen schicken.

2. Einfach vor komplex. Innerhalb jeder Zielgruppe geht das Boden-Protokoll (Anhang A) dem Token-Ökonomie-Workshop (B) voraus, der dem Bioregion-Kartierungs-Workshop (C) vorausgeht, der dem Qualitätsevaluations-Workshop (D) vorausgeht. Jeder baut auf den durch den vorherigen entwickelten Kompetenzen auf.

3. Residenz im Sommer. Das längste, tiefste Engagement (Künstler*in/Forschende) belegt die Jahreszeit mit maximaler Landschaftslesbarkeit, längsten Tageslichtzeiten und angenehmsten Outdoor-Arbeitsbedingungen. Die vier Leitfadensitzungen der Residenz (A.4, B.4, C.4, D.4) verteilen sich über den Residenzzeitraum.

4. Grenzüberschreitend im Herbst. Die Erntezeit bietet natürliche Inhalte für grenzüberschreitenden Austausch (gemeinsames Essen aus gemeinsamer Landschaft), und der landwirtschaftliche Zyklus macht Landnutzungsmuster maximal sichtbar.

5. Ältere im Spätherbst/Winter. Auf Innenräume ausgerichtete Formate passen zur Jahreszeit. Die Ältesten-Leitfäden setzen auf Erinnerung und Geschichtenerzählen statt auf körperliche Außenaktivitäten. Die Kaffee-und-Kuchen-Atmosphäre passt zum kontemplativen Winterrhythmus.

6. Qualität und Synthese im Winter. Reflexion und Evaluation finden statt, wenn die Außenprogrammierung pausiert. Die im Jahresverlauf angesammelten Daten werden synthetisiert, der Qualitätsbericht erstellt und Jahr 2 geplant.


TEIL ZWEI: Workshop-Vorbereitungs-Checklisten

Universal-Checkliste (gilt für jeden Workshop)

2 Wochen vorher

1 Tag vorher

Am Tag des Workshops — Vor Ankunft der Teilnehmenden

Nach dem Workshop


Das Proxemische Audit-Template

Für jeden Workshop ausfüllen, als Teil der 2-Wochen-vor-Vorbereitung.

Phase # Phasenname Dauer Proxemische Zone (Intim / Persönlich / Sozial / Öffentlich) Aktive Sinneskanäle (T=Tastsinn, G=Geruch, Th=Thermisch, A=Auditiv, V=Visuell) Anordnung (Soziopetal / Soziofugal / Gemischt) Vertikal (Gleiche Ebene / Durchführende oben / Teilnehmende oben) Sensorisches Ankerobjekt Interkulturelle Vermittlung nötig?
1                
2                
3                
4                
5                
6                

Prüfung: Gibt es 3 oder mehr aufeinanderfolgende Phasen auf sozialer/öffentlicher Distanz mit ≤ 2 aktiven Kanälen? Wenn ja -> eine haptische, sensorisch reaktivierende Phase dazwischenschalten.

Prüfung: Hat jede soziale/öffentliche Phase ein sensorisches Ankerobjekt vorbereitet? Wenn nein -> eines vorbereiten (eine Bodenprobe, ein Stein, ein Werkzeug, eine Pflanze, ein Stück Brot).


TEIL DREI: Anforderungen an Durchführende und Qualitätsentwicklung

Qualifikationsprofil der Durchführenden

(BNE-Bereiche 6.1.1 und 6.1.2 — Mindestanforderung: eine davon muss zutreffen)

Jede Erdpuls-Workshop-Durchführende/r muss mindestens eines der folgenden Qualifikationsprofile erfüllen. Beide Wege sind für Zertifizierungszwecke gleichwertig.

Weg A — Formale Qualifikation (6.1.1): Ein abgeschlossener Abschluss in Pädagogik, Erziehungswissenschaft, Outdoor-Bildung, Umweltwissenschaften, Biologie, Geografie, Sozialarbeit oder einem verwandten Bereich auf Ausbildungsniveau oder darüber. Relevante formale Qualifikationen umfassen: Erzieherin/Erzieher, Dipl.-Pädagogin, B.Sc./M.Sc. Biologie oder Geografie, Naturpädagogin, Forstwirtin (mit zusätzlicher pädagogischer Ausbildung), Sozialarbeiterin. Die formale Qualifikation muss durch nachgewiesene Vertrautheit mit dem Pattern Discovery Toolkit über die unten beschriebene vorbereitende Weiterbildung ergänzt werden.

Weg B — Persönliche Qualifikation (6.1.2): Nachgewiesene praktische Erfahrung, Kenntnisse, Referenzen und bisherige Tätigkeiten, die für Zielgruppe, Thematik, Lernort und Methodik angemessen sind. Ausreichende persönliche Qualifikation für Erdpuls umfasst: mindestens zwei Jahre Moderationserfahrung mit der relevanten Zielgruppe, nachweisbare Ortskenntnis des Gebiets Müllrose / Naturpark Schlaubetal, Fähigkeit zur Moderation sowohl von Innen- als auch von Außenphasen sowie erfolgreich abgeschlossenes Erdpuls-Einführungsstudium (siehe unten).

Zusätzliche Anforderungen für bestimmte Workshop-Typen:

Gastdurchführende und Ehrenamtliche: Ehrenamtliche und Gastdurchführende (z. B. Künstlerinnen-in-Residenz, polnische Partnerpädagoginnen), die Moderationsaufgaben übernehmen, müssen vor dem Workshop in den relevanten Leitfaden, das Proxemische Audit und die Sicherheitsprotokolle eingewiesen werden. Sie müssen das vollständige Qualifikationsprofil oben nicht erfüllen, aber die Hauptdurchführende/r, die es erfüllt, muss durchgehend anwesend sein.


Fort-/Weiterbildungsanforderungen

(BNE-Bereiche 6.2.1 und 6.2.2 — Beide sind Mindestanforderungen)

Vorbereitende Fort-/Weiterbildung — 6.2.1

Vor der Leitung ihres ersten Erdpuls-Workshops absolviert jede neue Durchführende/r das Erdpuls-Einführungsstudium:

Komponente Format Mindestzeit
Vollständige Lektüre des Pattern Discovery Toolkit und der Anhänge A–D Selbststudium 6–8 Stunden
Vollständige Lektüre des Proxemischen Integrationsergänzungsdokuments Selbststudium 4–5 Stunden
Alleinige Begehung aller geplanten Transektrouten mit Ring-0-Körperkalibrierung Feldarbeit 1 Tag
Teilnahme an einem vollständigen Erdpuls-Workshop als Beobachter*in Vor Ort 3–8 Stunden
Durchführung eines betreuten Proxemischen Audits für den ersten geplanten Workshop Betreut 1–2 Stunden
Einführungsgespräch mit Hauptdurchführender/m oder Projektkoordinator*in Gespräch 1–2 Stunden

Die Absolvierung des Einführungsstudiums wird im persönlichen Log der Durchführenden festgehalten und als BNE-Zertifizierungsnachweis angeführt. Für Ehrenamtliche: Die Projektkoordination bestätigt die Einführungsbereitschaft schriftlich vor dem ersten Moderationseinsatz.

Kontinuierliche Fort-/Weiterbildung — 6.2.2

Alle Erdpuls-Durchführenden (einschließlich Ehrenamtlicher) nehmen an jährlicher Fort-/Weiterbildung mit explizitem BNE-Bezug teil, mit einem Umfang von mindestens 24 Stunden pro Jahr. Diese Anforderung wird durch eine Kombination aus folgenden Aktivitäten erfüllt:

Aktivität BNE-Relevanz Typische Stunden
Jahres-Datensynthese (Jan W4 — obligatorisch für Hauptdurchführende) 5.2.1/5.2.2: Praxisreflexion und systematische Evaluation 16–24 Stunden über 2–3 Tage
Erstellung Jahres-Qualitätsbericht (Feb W2) 5.2.1: kontinuierliche Reflexion; 5.2.2: systematische Selbstevaluation 8–16 Stunden
BNE-Akteur*innen-Brandenburg-Netzwerkbeteiligung (Fachtagungen, Regionalveranstaltungen) 5.3.1: aktive Vernetzung; methodisches Wissen variabel, typisch 8–16 Stunden/Jahr
Selbstgesteuertes Fachlesen mit BNE-Bezug (im persönlichen Log dokumentiert) Thematisches/methodisches Wissen variabel
Kollegiale Beratung mit anderen BNE-Praktiker*innen Methodenreflexion variabel

Für Ehrenamtliche: Die Mindestanforderung an kontinuierliche Fort-/Weiterbildung wird durch die jährliche Teilnahme an der Jahres-Qualitätsbericht-Nachbesprechung (typisch 2–3 Stunden) unter Begleitung der Hauptdurchführenden erfüllt, die als Praxisreflexion unter fachlicher Begleitung im Sinne von Kriterium 6.2.2 fungiert.

Fort-/Weiterbildung wird im persönlichen Log jeder Durchführenden/s dokumentiert und im Jahres-Qualitätsbericht zusammengefasst (siehe Mindestinhaltsstandards für den Qualitätsbericht unten). Durchführende, die das 24-Stunden-Minimum in einem Jahr nicht erreichen, sind im Folgejahr nicht berechtigt, Workshops selbstständig zu leiten, bis das Defizit behoben ist.


Partnernetzwerk und BNE-Kooperation

(BNE-Bereich 5.3 — Mindestanforderung: 5.3.1)

Das Erdpuls-Programm ist in ein dokumentiertes Netzwerk nationaler und internationaler BNE-Partner eingebettet. Aktive Kooperation mit diesem Netzwerk ist für die Zertifizierung erforderlich (5.3.1) und operativ notwendig für das Grenzüberschreitende Programm (5.3.3).

Nationale Partner (laufende Kooperation):

Internationale Partner (operativ für das Grenzüberschreitende Programm):

Pflege der Kooperation: Die Hauptdurchführende/r ist dafür verantwortlich, mindestens eine aktive BNE-Vernetzungsbeziehung aufrechtzuerhalten (5.3.1) und Kooperationsaktivitäten im Jahres-Qualitätsbericht zu dokumentieren. Dies umfasst: Teilnahme an mindestens einer BNE-Netzwerkveranstaltung pro Jahr, Weitergabe eines Erdpuls-Praxisbeispiels an das Netzwerk (in beliebigem Format) und Einbeziehung einer externen BNE-Perspektive in die Jahresprogrammplanung.


Qualitätsbericht — Mindestinhaltsstandards

(BNE-Bereiche 5.2.1 und 5.2.2)

Der Jahres-Qualitätsbericht (im Februar erstellt, auf Basis der Jahres-Datensynthese im Januar) ist das primäre Instrument für die BNE-Bereich-5-Konformität. Er muss folgenden Mindestinhalt enthalten, um die Katalogkriterien zu erfüllen:

Abschnitt Erforderlicher Inhalt Kriterium
Programmübersicht Durchgeführte Workshops (Anzahl, Typ, Datum); Gesamtteilnehmende nach Zielgruppe; abgesagte oder modifizierte Workshops mit Begründung 5.2.1
Durchführenden-Reflexionen Zusammenfassung der im Jahresverlauf geschriebenen 15-minütigen Nachbereitungsreflexionen; wiederkehrende Themen; was sich infolgedessen im Moderationsansatz verändert hat 5.2.1
Proxemisches Audit-Analyse Auswertung aller Proxemischen Audit-Formulare des Jahres; welche proxemischen Muster wiederkehrten; welche Interventionen am wirksamsten waren 5.2.1
Teilnehmenden-Ergebnisse Zusammengefasste Qualitätsstern-Bewertungen (D.1), Qualitätskompass-Zusammenfassungen (D.2), Ältesten-Qualitätskriterien (D.3), Residenz-Qualitätsreflexionen (D.4), Rahmenvergleichs-Erkenntnisse (D.5) 5.2.2
Citizen-Science-Outputs openSenseMap-Datenbeitrag; iNaturalist/GBIF-Datensätze eingereicht; GPS-Tracks abgeschlossen; Musterkarten dem Archiv hinzugefügt 5.2.2
Token-Ökonomie-Zusammenfassung Gesamtzahl erfasster Token-Transaktionen; Verteilung auf vier Elemente (Zusammenarbeit/Reziprozität/Mutualismus/Regeneration); Muster und Auffälligkeiten 5.2.2
Fort-/Weiterbildungsnachweis Stunden und Aktivitäten jeder Durchführenden/s auf dem Weg zum 24-Stunden-Jahresminimum (6.2.2); Zusammenfassung des abgeleisteten Einführungsstudiums neuer Durchführender (6.2.1) 6.2.1/6.2.2
Partnerkooperationsnachweis Teilgenommene Netzwerkaktivitäten; Status der grenzüberschreitenden Partnerschaft; neu eingegangene oder beendete Partnerschaften 5.3.1/5.3.3
Identifizierte Verbesserungen Mindestens drei spezifische Verbesserungen aus den Jahreserfahrungen; Umsetzungsplan für Jahr 2 5.2.2
Programmplan Jahr 2 Entwurfskalender für Jahr 2 mit Begründung für Änderungen gegenüber der Jahr-1-Sequenz 5.1.1/5.1.2

Der Qualitätsbericht wird mit den Qualitätsbotschafter*innen (Teilnehmende, die die BNE-Qualitätsrahmen-Leitfäden D.1–D.5 abgeschlossen haben) geteilt, bevor die Planung für Jahr 2 abgeschlossen wird — dies bildet den von 5.2.2 geforderten internen Qualitätsüberprüfungsprozess.


TEIL VIER: Druckbare Workshop-Materialien

Gesamtliste aller in den erfahrungsorientierten Leitfäden referenzierten Materialien

Die folgenden Materialien werden in den 20 Leitfäden referenziert. Jedes ist nachfolgend mit ausreichend Detail beschrieben, um eine druckfertige Version zu erstellen. Sie sind nach Typ gruppiert.

Teilnehmenden-Arbeitsblätter (A4, gedruckt)

1. Boden-Entdecker-Feldbogen Referenziert in: A.1 (Kinder), adaptiert in A.2–A.5

2. Expeditions-Protokollbogen (Bioregion-Kartierung) Referenziert in: C.1 (Kinder)

3. Lern-Portfolio-Bogen (Qualitätsevaluation) Referenziert in: D.1 (Kinder)

4. Qualitätskompass-Arbeitsblatt Referenziert in: D.2 (Erwachsene)

5. Lern-Lebenszeit-Arbeitsblatt Referenziert in: D.3 (Ältere)

6. Austauschkartierungs-Arbeitsblatt Referenziert in: B.2 (Erwachsene)

7. Transekt-Dokumentationstabelle Referenziert in: C.1 (Kinder 13+), C.2 (Erwachsene), C.4 (Künstlerinnen/Forschende)*

Karten (Taschenformat, auf Kartonpapier gedruckt)

8. Kompetenzentdeckungskarte Referenziert in: D.1 (Kinder)

9. Token-Karten (vier Farben) Referenziert in: B.1–B.5

10. Erinnerungsangebots- und Suchkarten Referenziert in: B.3 (Ältere)

Poster und Großformatmaterialien

11. Qualitätsstern-Poster Referenziert in: D.1 (Kinder)

12. Rahmenvergleichsmatrix-Poster Referenziert in: D.5 (Grenzüberschreitend)

13. Erinnerungsmarkt-Ledger Referenziert in: B.3 (Ältere)

Musterkarten-Vorlage

14. Musterkarte Referenziert in: Haupttoolkit, Abschnitt 3.1


TEIL FÜNF: Raumgestaltungsleitfaden für die fünf Zonen

Proxemische Gestaltung des Erdpuls-Campus

Jede der fünf Campus-Zonen hat einen proxemischen Charakter, der bestimmt, welche Arten von Lernen darin natürlich entstehen. Dieser Abschnitt gibt Raumgestaltungsempfehlungen für jede Zone auf der Grundlage der soziopetalen/soziofugalen Unterscheidung und des Proxemischen Audit-Rahmens.

Zone A — Kreislaufwirtschafts-Workshop (Repair Café, Precious Plastic, Textil)

Proxemischer Charakter: Stark soziopetal. Der gemeinsame Arbeitstisch ist der Schwerpunkt — Teilnehmende versammeln sich darum, reichen Werkzeuge und Materialien von Hand zu Hand, diagnostizieren Probleme gemeinsam. Der Repair-Café-Tisch ist der primäre Ort des persönlich-distanten wirtschaftlichen Austauschs im Toolkit.

Raumgestaltungsempfehlungen:

Proxemisches Profil: Intim (Handarbeit) bis Persönlich (gemeinsame Diagnose). Alle Sinneskanäle aktiv: Tastsinn (Materialien), Geruch (erhitzter Kunststoff, alte Elektronik), Thermisch (Heißluftpistole, Bügeleisen), Auditiv (Werkzeuggeräusche, Gespräch), Visuell (Nahinspektion).

Zone B — Bio-Materialien-Gartenlabor

Proxemischer Charakter: Gemischt — abhängig von der Aktivität. Einzelne Gartenbeete sind soziofugal (jede Person arbeitet an ihrer eigenen Reihe). Gemeinschaftliche Ernteflächen, die Waschstation und die Boden-Labor-Außenstationen sind soziopetal.

Raumgestaltungsempfehlungen:

Proxemisches Profil: Intim (Bodenhandhabung, Pflanzenkontakt) bis Sozial (Gartenübersicht). Volles Sinnespektrum in Bodennähe; visuelle Dominanz beim Stehen und Überschauen.

Zone C — IoT \& Elektronik-Workshop

Proxemischer Charakter: Tendiert soziofugal. Arbeitsbänke mit einzelnen Lötarbeitsplätzen, Bildschirmen und Komponenten schaffen isolierte Aufmerksamkeitsblasen.

Raumgestaltungsempfehlungen:

Proxemisches Profil: Persönlich (Löten, Naharbeit) bis Sozial (Bildschirmanzeige, Gruppengespräch). Visuelle und haptische Kanäle dominant; auditiver Kanal trägt Anweisungen.

Zone D — Digitale Fabrikation

Proxemischer Charakter: Maschinenorientiert, tendiert soziofugal. Jede Maschine (3D-Drucker, Lasercutter, CNC) erfordert individuelle Aufmerksamkeit.

Raumgestaltungsempfehlungen:

Proxemisches Profil: Persönlich (Maschinenbetrieb) bis Sozial (Designüberprüfung). Visuell dominierend während Fabrikation; multisensorisch beim Materialhantieren.

Zone E — Heritage \& Community Hub

Proxemischer Charakter: Stark soziopetal. Hier befinden sich das Erzählcafé, der Weisheitskreis, die gemeinsame Mahlzeit, der Erinnerungsmarkt. Jede Raumanordnung sollte Menschen nach innen ziehen.

Raumgestaltungsempfehlungen:

Proxemisches Profil: Persönlich (Kreis, gemeinsame Mahlzeit) bis Intim (Feuer, Geschichtenerzählen, Objektweitergabe). Alle Kanäle aktiv. Diese Zone sollte sich wie das Herz des Campus anfühlen — der Ort, an dem alles zusammenkommt.


TEIL SECHS: Die erste Jahreszeit der Durchführenden — Ein Narrativleitfaden

Was Monat für Monat zu erwarten ist

März: Vorbereitung

Sie haben die Dokumente. Sie haben den Campus. Sie haben die Ausrüstung (oder die Einkaufsliste, um sie zu beschaffen). Jetzt müssen Sie den Raum und sich selbst vorbereiten.

Woche 1–2: Gehen Sie jede Transektroute, die Sie in diesem Jahr nutzen wollen. Allein. Langsam. Beginnen Sie jede Wanderung mit der Ring-0-Körperkalibrierung. Machen Sie Notizen zu Übergängen. Fotografieren Sie jeden Punkt, an dem Sie mit einer Gruppe anhalten würden. Messen Sie Gehzeiten. Identifizieren Sie Gefahren. Dies ist Ihre verkörperte Vorbereitung — Sie können nicht moderieren, was Sie nicht erfahren haben.

Bestücken Sie den Boden-Koffer. Drucken Sie die Feldbögen, Arbeitsblätter und Karten der ersten Saison. Bereiten Sie das QGIS-Projekt vor. Testen Sie alle elektronischen Geräte. Richten Sie die Bodenbeobachtungsstationen in Zone B ein.

Woche 3–4: Ihr erster Workshop — die Boden-Begegnung für Erwachsene/Familien (A.2). Dies ist bewusst Ihr Auftakt: Erwachsene sind das verständnisvollste Publikum, am wahrscheinlichsten in der Lage, Ihnen nützliches Feedback zu geben, und am besten in der Lage zu artikulieren, was funktioniert und was nicht. Ihr Feedback prägt Ihre Moderation für das gesamte Jahr.

April–Mai: Frühlingsprogramm

Der Rhythmus etabliert sich. Kinder kommen mit Energie und frischer Wahrnehmung. Erwachsene kehren für den Token-Ökonomie-Workshop zurück. Sie lernen, was Ihr Campus tragen kann: Wie viele Menschen passen zu den Bodenstationen, wie lange dauert der Gartenrundgang, wo funktioniert der GIS-Projektor am besten.

Die Musterkarten beginnen sich anzusammeln. Die ersten Token-Transaktionen werden aufgezeichnet. Das QGIS-Projekt erhält seine ersten von Teilnehmenden beigetragenen Datenlayer.

Achten Sie auf Übergänge. Der Moment zwischen Bodenbeobachtung und Innenkartierung. Der Moment zwischen individueller Reflexion und Gruppensynthese. Der Moment zwischen dem Spiel und dem Debriefing. In diesen Übergängen lebt oder stirbt das Engagement — und sie sind alle proxemische Momente (Bewegung von intimer zu sozialer Distanz, von soziofugaler zu soziopetaler Anordnung). Ihr Proxemisches Audit hilft Ihnen, diese zu planen; Ihre Erfahrung hilft Ihnen, sie zu fühlen.

Juni–August: Sommertiefe

Die Residenz ist Ihr tiefstes Engagement. Den ersten Transekt mit der residierenden Person zu gehen, ist eine der lohnendsten Erfahrungen, die das Programm bietet — ein ganzer Tag nachhaltiger Aufmerksamkeit für die Landschaft, geteilt mit jemandem, dessen Disziplin sichtbar macht, was Sie nicht sehen können.

Der Bioregion-Kartierungstag für Kinder (C.1) ist logistisch der anspruchsvollste Workshop des Jahres: Campus-externe Transekte mit mehreren Teams, GPS-Tracking, Sicherheitsmanagement und eine Synthesestunde, die sowohl analoge als auch digitale Kartierung erfordert. Führen Sie ihn im Juli durch, wenn Sie Frühlingserfahrung gesammelt haben.

Die Qualitätsstern-Sitzung (D.1) am Ende des Sommer-Kinderprogramms liefert Ihre ersten formalen Evaluationsdaten. Nehmen Sie sie ernst: Fotografieren Sie den Stern, stellen Sie die Portfolio-Bögen zusammen, schreiben Sie Ihre Moderationsreflexion. Dies ist der Keim Ihres Qualitätsberichts.

September–Oktober: Grenzüberschreitende Saison

Die logistisch komplexesten Workshops des Jahres. Beginnen Sie die Koordination mit Ihrer polnischen Partnerorganisation im Juli. Bestätigen Sie zweisprachige Moderation, Transport und gemeinsame Mahlzeit bis August.

Die grenzüberschreitende Boden-Begegnung (A.5) ist das emotionale Zentrum: der Moment, in dem Teilnehmende aus zwei Ländern im gleichen Boden knien und entdecken, dass er identisch ist. Die proxemische Bedeutung dieses Moments — Schulter an Schulter über eine kulturelle Grenze hinweg, vermittelt durch die Erde — ist der tiefste pädagogische Mechanismus, den Sie im gesamten Jahr einsetzen werden. Lassen Sie ihn wirken. Hetzen Sie nicht.

Die zweitägige Bioregion-Kartierung (C.5) ist der ambitionierteste Workshop des Jahres. Er erfordert die Grenzüberquerung, das Gehen auf beiden Seiten und die Synthese von Daten aus zwei Ländern zu einer einzigen Karte. Wenn Sie das können, können Sie alles im Programm.

November–Dezember: Ältesten-Saison

Das Tempo verändert sich. Langsamer. Wärmer. Stiller. Die Ältesten-Workshops erfordern eine andere Moderationspräsenz: weniger direktiv, mehr Raum gebend, geduldiger. Kaffee und Kuchen ist keine Pause — es ist das proxemische Zentrum der Ältesten-Erfahrung. Investieren Sie in guten Kuchen.

Die Erinnerungskarte (C.3) und der Weisheitskreis (D.3) liefern unersetzliche Daten. Zeichnen Sie alles auf (mit Einwilligung). Transkribieren Sie zeitnah. Diese Workshops können mit denselben Teilnehmenden nicht wiederholt werden — jeder Beitrag Älterer ist einzigartig und zeitlich begrenzt.

Januar–Februar: Synthese und Planung

Die Jahresdaten verteilen sich auf Musterkarten, Feldbögen, Karten, Token-Aufzeichnungen, Portfolios, GPS-Tracks, Audioaufnahmen und Fotos. Die Jahres-Datensynthese bringt alles zusammen.

Zusammenstellen:

Der Qualitätsbericht ist Ihr BNE-Zertifizierungsnachweis und Ihr Programm-Verbesserungsleitfaden. Er beantwortet: Was haben wir getan? Wem haben wir gedient? Was haben sie gelernt? Was sollte sich ändern?

Dann: Jahr 2 planen. Der Kalender wiederholt sich, aber mit neuen Kohorten, angesammelten Daten und den Lehren der Erfahrung.


TEIL SIEBEN: Fehlersuche

Häufige Herausforderungen und proxemische Lösungen

Herausforderung: Teilnehmende verlieren während der Kartierungssynthese (C.2, C.5) das Interesse. Proxemische Diagnose: Sie sind ohne Übergang von intimer/persönlicher Distanz (der Transektwanderung) zu sozialer/öffentlicher Distanz (Stehen um eine projizierte Karte herum) gewechselt. Drei Sinneskanäle schlossen sich gleichzeitig. Lösung: Transekt-Artefakte in den Kartierungsraum bringen — Bodenproben von Übergangspunkten, Steine von geologischen Grenzen, Pflanzen von Vegetationskanten. Diese an ihren geographischen Orten auf der Karte platzieren. Nun hat die Karte Dinge zum Anfassen und Riechen, und die Teilnehmenden sind wieder in persönlicher proxemischer Beziehung zum Territorium.

Herausforderung: Jugendliche fühlen sich beim Boden-Protokoll unwohl. Proxemische Diagnose: Das Boden-Protokoll erfordert intimes proxemisches Verhalten (Knien, Riechen, Erde handhaben) vor Gleichaltrigen — eine Zone hoher Verletzlichkeit für Jugendliche. Lösung: Professionell rahmen („so arbeiten Geologen”). Teilnehmende paarweise einteilen, damit sie die Verletzlichkeit teilen. Zuerst ohne Kommentar demonstrieren. Gruppenbeobachtungsmomente reduzieren (niemanden zwingen, Boden vor 25 Gleichaltrigen zu riechen). Die Unbehaglichkeit löst sich normalerweise innerhalb von 10 Minuten auf, wenn die Durchführende/r sachlich bleibt.

Herausforderung: Der Ältesten-Weisheitskreis wird von einer oder zwei Stimmen dominiert. Proxemische Diagnose: Soziopetaler Raum (der Kreis) lädt zur Beteiligung ein, verteilt sie aber nicht. Dominante Stimmen füllen das soziale proxemische Feld. Lösung: Ein Rededingobjekt (einen Stein, ein Werkzeug, ein Artefakt) von Hand zu Hand reichen. Das Objekt ist ein proxemischer Vermittler: nur die Person, die es hält, spricht. Sein physisches Gewicht und seine Wärme schaffen eine intime proxemische Beziehung zwischen der sprechenden Person und der Aufmerksamkeit des Kreises.

Herausforderung: Grenzüberschreitende Teilnehmende clustern sich nach Nationalität. Proxemische Diagnose: Menschen kehren zu ihren kulturellen proxemischen Normen zurück, die sich an der Sprache orientieren. Deutschsprachige stehen mit Deutschsprachigen in vertrauten deutschen proxemischen Distanzen; Polnischsprachige tun dasselbe. Lösung: Internationale Paare von Anfang an zuweisen. Jedem Paar eine gemeinsame körperliche Aufgabe geben (gemeinsam Boden ausgraben, gemeinsam einen Transekt gehen, gemeinsam Essen zubereiten). Die gemeinsame Aufgabe ist der proxemische Vermittler, der den kulturellen Standard überwindet.

Herausforderung: Die GIS-Erkundung fühlt sich vom Rest des Tages getrennt an. Proxemische Diagnose: Der GIS-Bildschirm schafft eine soziofugale, öffentlich-distante, rein visuelle Umgebung. Es ist die proxemisch ärmste Phase jedes Workshops. Lösung: GIS nie länger als 20 Minuten ohne proxemische Intervention laufen lassen. Einen Layer umschalten, dann eine physische Probe aus diesem Layer herumreichen. Eine Wassereinzugsgebietsgrenze zeigen, dann Wasser auf einer geneigten Schale gießen und fließen sehen. Das GIS ist für die Synthese leistungsstark, aber für das Engagement tödlich, wenn es das Sensorfeld monopolisiert.


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