Institution: Erdpuls — Center for Sustainability Literacy, Citizen Science and Reciprocal Economics
Version: 1.1
Datum: Februar 2026
Status: Entwurf v1.1 — OER-Veröffentlichung bereit (DE)
Übersetzungsstatus: [DE] — diese Fassung | [PL] — ausstehend Phase 3
| Version | Datum | Änderungen |
|---|---|---|
| 1.1 | Februar 2026 | Erstveröffentlichung für OER; Übersetzung ins Deutsche |
| 1.0 | — | Nicht veröffentlicht |
| Element | Details |
|---|---|
| Zielgruppe | Schulklassen, Klassen 9–12, Alter 15–18; fortgeschrittenes Gymnasium / Oberschule |
| Sessiondauer | 3,5–5 Stunden (halber bis ganzer Tag) |
| Gruppengröße | 10–25 Schülerinnen und Schüler; funktioniert gut mit kleineren spezialisierten Gruppen (Projekttage, Facharbeiten) |
| Ort | Gesamter Erdpuls-Campus inkl. Ringe 0–4; Sensorlabor; GIS-Workstation; Makerspace |
| Jahreszeit | Alle Jahreszeiten; Winter erzeugt einzigartige und wenig erforschte Datensätze |
| Kernmethode | Vollständiges phänomenologisches Protokoll; selbstständiger Sensorbetrieb; offener Datenbeitrag; Forschungsfragendesign |
| Toolkit-Bezüge | Vollständiger Anhang A (13 Fragen + Datenanalyse); Anhang B (vollständige Tokenwirtschaft einschl. UBECrc-Design); Anhang C (Bioregion Mapping mit GIS); Anhang D (BNE-Qualitätsrahmen) |
| Entwicklungsphase | Emergenz der dritten Siebenjahresperiode: erwachendes individuelles Urteil, Fähigkeit zu systemischem und ethischem Denken, die Frage „Wer bin ich in der Welt und was schulde ich ihr?” |
| Citizen-Science-Ergebnis | Vollständiger Datensatz, eingetragen in Erdpuls’ Langzeitarchiv; iNaturalist-Arteneinträge; openSenseMap-Datenbeitrag; optional: selbstständige Forschungsfrage mit Folgeprotokoll |
| Tokenwirtschaftsebene | Fortgeschritten — vollständiges UBECrc-Engagement; optional: Designübung für eine alternative Tokenwirtschaft, angewendet auf ein von den Schüler/innen identifiziertes Problem |
| Verfügbare Sprachen | DE ([emoji]) EN vorhanden PL ausstehend |
| Kompetenzcluster | Ausprägung für Alter 15–18 |
|---|---|
| Umweltkompetenz | Vollständige Landschaftssystemkompetenz: Boden, Hydrologie, Landnutzungsgeschichte, Biodiversität, bioregionales Denken; lokale Beobachtung mit globalen Umweltdatensätzen verknüpfen; Landschaft als Zeugnis menschlicher Entscheidungen lesen |
| Wissenschaftliches Forschen | Selbstständiges Design von Forschungsfragen aus eigenen Daten; Mehrfachvariablenanalyse; Unterscheiden zwischen Korrelation und Kausalität; Datenethik und Open-Science-Prinzipien |
| Technologiekompetenz | Selbstständiger Einsatz und Konfiguration der senseBox MCU; openSenseMap-Stationsverwaltung; grundlegende QGIS-Orientierung; das Sensornetzwerk als verteilte Umweltintelligenz verstehen |
| Wirtschaftliches Verständnis | Vollständige Vier-Elemente-UBECrc-Tokenwirtschaft; kritische Analyse dessen, was konventionelle Wirtschaft nicht misst; optional: Designübung — Token-Prinzipien auf ein reales Problem anwenden |
| Sozial-emotionales Lernen | Die Handlungsphase (Action) des 4A-Pfades: Was verlangt dieses Wissen von mir? Systemisches Denken über persönliche Handlungsfähigkeit; die Frage intergenerationeller Verantwortung |
Schülerinnen und Schüler in den Klassen 9–12 treten in die dritte Entwicklungsphase ein: das Entstehen von individuellem Urteil. Dies ist das Alter, in dem abstraktes Denken vollständig verfügbar ist, aber — und das ist pädagogisch entscheidend — es wird am wirkungsvollsten aktiviert, wenn es in konkreter Erfahrung geerdet ist. Eine Schülerin, die im Boden gekniet ist, seine Temperatur gemessen, seine Organismen gezählt und eine Frage aus ihren eigenen Daten formuliert hat, befindet sich in einer völlig anderen epistemischen Position als eine Schülerin, die Bodenökologie nur als Text auf einer Seite kennengelernt hat.
Die Forschungssession auf Oberstufenniveau bei Erdpuls ist für genau diesen Entwicklungsmoment konzipiert. Sie vereinfacht Umweltwissenschaft nicht für junge Menschen. Sie bietet das Original: einen echten Ort, echte Instrumente, echte offene Datensätze und echte unbeantwortete Fragen. Die Rolle der Schülerinnen und Schüler besteht nicht darin, vorgefertigtes Wissen zu empfangen, sondern neues Wissen zu erzeugen — Wissen, das vor ihrer Ankunft nicht existierte.
Dies ist auch das Alter, in dem die Frage „Was schulde ich der Welt?” persönlich statt abstrakt wird. Der 4A-Pfad vollendet seinen Bogen in der Handlungsphase: nicht „tue etwas Nettes für die Umwelt”, sondern „das ist, was ich gefunden habe; das ist, was es bedeutet; das ist, was ich tun werde.” Die Tokenwirtschaft auf dieser Ebene lädt Schülerinnen und Schüler nicht nur ein, Token zu verdienen, sondern Systeme zu entwerfen — darüber nachzudenken, wie Wert in ihren Gemeinschaften fließt und was sich ändern würde, wenn andere Dinge anerkannt und belohnt würden.
Jeder von Erdpuls generierte Datensatz geht in ein permanentes offenes Archiv ein. Jede Schülerin und jeder Schüler, die/der zu diesem Archiv beiträgt, praktiziert Open Science — das Prinzip, dass mit öffentlichen Ressourcen (einschließlich der intellektuellen Ressourcen einer Schulbildung) erzeugtes Wissen für alle frei zugänglich sein sollte. Wenn eine Erdpuls-Schülerin eine Bodentemperaturmessung auf openSenseMap hochlädt, wird diese Messung für Forschende, politische Entscheidungsträger, Schülerinnen und Schüler in anderen Ländern und zukünftige Generationen verfügbar, die den Klimawandel an diesem spezifischen Standort untersuchen.
Das ist keine Theorie. Das Erdpuls-Langzeit-Bodendatensatz gewinnt über die Zeit an Bedeutung: eine einzelne Tagesablesung ist ein Datenpunkt; zehn Jahre Ablesungen an denselben Koordinaten werden ein Klimaarchiv. Schülerinnen und Schüler auf dieser Ebene lernen nicht nur Umweltwissenschaft — sie tragen aktiv dazu bei.
Pro Team (3–4 Schüler/innen):
Gemeinsame Ausrüstung / Lehrkraft:
Dieser Leitfaden bietet drei modulare Tracks, die unabhängig voneinander oder kombiniert für ein ganztägiges Programm durchgeführt werden können.
Schülerinnen und Schüler erhalten kein Arbeitsblatt zu Beginn. Sie erhalten nur eine Anweisung:
„Verbringt fünf Minuten im Garten — irgendwo. Berührt etwas, riecht etwas, schaut etwas genau an. Kommt mit einer Sache zurück, die euch überrascht, verwirrt oder die ihr nicht erklären könnt.”
Schülerinnen und Schüler verteilen sich. Rückkehr nach fünf Minuten. Jede/r teilt seine/ihre Beobachtung. Die Lehrkraft schreibt jede Antwort auf eine sichtbare Fläche. Keine Bewertung — nur Empfang.
„Das sind eure Ausgangspunkte. Alles, was wir heute tun, sollte uns dem Verstehen einer oder mehrerer dieser Beobachtungen näherbringen. Nicht vollständig — näher. Das ist Wissenschaft.”
Schülerinnen und Schüler führen das vollständige 13-Fragen-Protokoll selbstständig in Teams durch. Die Lehrkraft geht herum, gibt aber keine Anleitung — fragt nur: „Was glaubt ihr, erklärt das?” / „Habt ihr es schon gemessen?” / „Was würde eure Interpretation verändern?”
Alle 13 Fragen werden beantwortet. Entscheidend: Fragen 11–12 (Geschichte und Beziehungen) werden vollständig schriftlich bearbeitet — Schülerinnen und Schüler erstellen eine evidenzbasierte Erzählung der Geschichte ihres Flecks und zeichnen ein räumliches Beziehungsdiagramm, das ihren Fleck in seinen Landschaftskontext einbettet.
Frage 13 (Handlung) wird auf dieser Ebene zu: „Wenn ihr für diese Landschaft verantwortlich wärt — nicht nur für diesen Fleck, sondern für den Kilometer Landschaft rund um diesen Campus — welche Politik, Praxis oder Maßnahme würdet ihr vorschlagen? Welche Belege aus der heutigen Beobachtung unterstützen sie?”
Schülerinnen und Schüler bedienen die senseBox selbstständig (mit kurzer Demonstration der Lehrkraft, maximal 2 Minuten). Sie zeichnen alle Sensorablesungen auf dem Feldbogen neben den körpersensorischen Ablesungen auf.
Vollständiger Datenvergleich über alle Teams auf dem vergleichenden Datenbord. Auf dieser Ebene geht die Analyse weiter: Schülerinnen und Schüler identifizieren die einzelne interessanteste Mehrfachvariablen-Korrelation im Datensatz und schlagen einen kausalen Mechanismus vor. Diese Vorschläge werden kurz präsentiert: „Team 3 hat bemerkt, dass die drei Flecken mit der niedrigsten Lebenszählung auch die höchsten Versickerungszeiten hatten. Wir denken, das liegt daran, dass …”
Diskussion über die Grenzen eines Eintages-Datensatzes: „Was bräuchtet ihr, um eure alternative Erklärung auszuschließen? Welche zusätzlichen Daten würdet ihr erheben? Über welchen Zeitraum?” Dies ist die Kernübung wissenschaftlichen Denkens: Unterscheiden, was die Daten stützen, von dem, was sie lediglich nahelegen.
Jede/r Schüler/in (individuell) füllt den Forschungsfragen-Design-Bogen aus:
Diese Bögen werden von der Lehrkraft gesammelt und dem Erdpuls-Forschungsfragenregister hinzugefügt. Fragen, die mit Folgebesuchen oder dem kontinuierlichen Sensordatenstrom beantwortet werden können, werden für eine Nachverfolgung markiert.
Citizen-Science-Verpflichtung:
Jede/r Schüler/in wählt eine Handlung aus:
Tokenwirtschaft-Reflexion:
Anstatt einzelne Token für spezifische Aktivitäten zu verdienen, führen Oberstufenschüler/innen eine kurze Systemdesign-Übung durch: „Eurer Stadt hat beschlossen, ein System einzuführen, das nichtmonetäre Beiträge zur lokalen Gemeinschaft sichtbar macht und belohnt — Sorgearbeit, ökologische Handlungen, Wissensaustausch, kooperative Arbeit. Gestaltet die vier Elemente eures Systems. Wie würden Kooperation, Reziprozität, Mutualismus und Regeneration in eurer spezifischen Gemeinschaft aussehen? Was würden sie belohnen, was derzeit unerkannt bleibt?”
Gruppen teilen ihre Entwürfe. Die Lehrkraft stellt Verbindungen zum UBECrc-System und zur breiteren Literatur über Komplementärwährungen, Sorgeökonomien und Commons-Governance her.
Dieser Track passt Anhang C (Bioregion Mapping) für Oberstufenschüler/innen mit einer GIS-Kompetenzkomponente an.
Teams nehmen einen gehenden Transekt vom Erdpuls-Campus aus in einer gewählten Richtung und zeichnen in Abständen von 200 Metern auf:
Dies ist Ring-2–3-Feldarbeit: Bewegung vom Campus durch die Siedlung und die nahe Landschaft, Bemerken, wo sich der Charakter des Ortes verändert.
An der QGIS-Workstation überlagern Teams ihre Transektdaten mit vorgeladenen Schichten:
Leitfragen: „Wo fällt euer gefühlter Eindruck von ‚Müllrose verlassen’ mit einer geologischen oder hydrologischen Grenze zusammen? Wo nicht? Was zeigt die historische Karte, das die aktuelle Karte nicht zeigt? Was hat sich verändert, und was ist gleich geblieben?”
Jedes Team schlägt eine bioregionale Grenze für die Naturpark-Schlaubetal-Subregion vor, wie sie sie erlebt hat — wo beginnt und endet dieser Ort, basierend auf dem Beobachteten? Die Grenze wird auf der Karte eingezeichnet (digital oder auf einem großen Ausdruck) mit einer kommentierten Begründung.
„Die offizielle Naturparkgrenze ist eine Verwaltungslinie. Eure Grenze basiert auf dem, was eure Sinne euch beim Gehen gesagt haben. Sie müssen nicht übereinstimmen — tatsächlich sind die Stellen, wo sie nicht übereinstimmen, die interessantesten.”
Dieser Track passt Anhang D (BNE-Qualitätsrahmen) für die Oberstufe an — besonders nützlich für Schülerinnen und Schüler, die Erziehungswissenschaften, Sozialwissenschaften oder Facharbeiten zu Nachhaltigkeitsthemen planen.
Schülerinnen und Schüler erhalten die gekürzte Version des Brandenburger BNE-Qualitätskatalogs (7 Bewertungsbereiche). Sie bewerten die gerade abgeschlossene Erdpuls-Session gegen diese Kriterien: „Entspricht das, was ihr gerade erlebt habt, gemäß den offiziellen Qualitätsstandards für Nachhaltigkeitsbildung, diesen Standards? Übertrifft es sie? Bleibt es irgendwo zurück?”
Diese Übung erzeugt zwei Ergebnisse:
Schülerische Bewertungen werden gesammelt und dem Erdpuls-Qualitätsnachweis hinzugefügt (BNE-Bereich 5.2.2).
| Fach | Lehrplanelement | Erdpuls-Track-Verbindung |
|---|---|---|
| Biologie (Oberstufe) | Ökosystemanalyse, Biodiversität, Bodenkunde | Track A: vollständiges Protokoll + Datenanalyse |
| Geografie (Oberstufe) | Landschaftssysteme, Landnutzungswandel, Klimawandel | Track A + B: Sensordaten + GIS-Transekt |
| Chemie (Kl. 9–10) | pH-Wert, chemische Eigenschaften des Bodens | Track A: Messrunde |
| Informatik | IoT-Systeme, offene Daten, Datenethik | Track A: senseBox + openSenseMap |
| Wirtschaft/Soziales | Alternative Wirtschaft, Commons-Theorie | Track A: UBECrc-Designübung |
| Ethik/Philosophie | Umweltethik, intergenerationelle Verantwortung | Track A: F13 + Handlungsphase |
| Projekttage / Facharbeit | Selbstständiges Forschungsdesign | Forschungsfragen-Design-Bogen → potenzielle Facharbeit |
Das entscheidende Facilitierungsprinzip für diese Altersgruppe: Maximale Selbstständigkeit, minimale Anleitung. Oberstufenschüler/innen, die zu stark facilitiert werden, produzieren oberflächliche Antworten. Diejenigen, denen echte offene Zeit, echte Instrumente und echte offene Fragen gegeben werden, produzieren bemerkenswerte Arbeiten. Die Hauptrolle der Lehrkraft besteht darin, den Impuls zu erklären zu widerstehen und stattdessen zu fragen: „Was denkst du?” — und zu warten.
Zum Forschungsfragen-Design-Bogen: Manche Schülerinnen und Schüler werden echte originale Forschungsfragen entwickeln, die das Erdpuls-Programm aus vorhandenen Daten nicht beantworten kann. Diese sollten aufgezeichnet und, wo möglich, initiiert werden: ein Folge-Sensorplacement, ein Wiederholungsbesuch oder eine Verbindung zu einer Universitätsforschungsgruppe. Die Schülerin oder der Schüler, die/der eine untersuchenswerte Frage erzeugt, hat etwas Wertvolleres geleistet als eine/r, die/der eine bereits bekannte Frage korrekt beantwortet.
Zum UBECrc: Die Blockchain-Dimension nicht überverkaufen. Schülerinnen und Schüler dieses Alters sind gegenüber Blockchain-Behauptungen oft (zu Recht) skeptisch. Der Wert der Tokenwirtschaft liegt in der wirtschaftlichen Philosophie, die sie ausdrückt — den vier Elementen —, nicht in der technischen Implementierung. Die Blockchain ist lediglich der Transparenzmechanismus. Die Designübung ist wertvoller als ein Vortrag über die Technologie verteilter Buchführung.
| © 2025–2026 Michel Garand | Erdpuls — Center for Sustainability Literacy, Citizen Science & Reciprocal Economics |
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Kontakt: erdpuls@ubec.network · https://erdpuls.ubec.network
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